Einleitung | Liedtexte | Gedichte und Balladen | Sagen und Märchen

Über das Wesen der Geschichte und den mehrfachen Sinne dieses Worte habe ich die meinen schon verloren. Da ich an anderer Stelle niederlegte, was die Gelehrten von der Vergangenheit Albernias und auch Weidenaus zu wissen glauben und wenigstens als gesichert ansehen, so will ich an diesem Ort darlegen, was Volkes Mund von vergangenen Tagen spricht und was an Taten und Begebenheiten sonst noch überliefernswert erscheint. Manches, weil es um seiner selbst willen so bedeutsam erscheint. Anderes, weil die Kunstfertigkeit der Barden oder anderer Dichter das Gesagte über das Maß des Gewöhnlichen hinaushebt. Wenn dabei die scharfe Trennung, die manch ein Möchtegern-Magister gerne anmahnt, zwischen Mythos und gesichertem Wissen zu fehlen scheint, so ist dies nichts anderes als Absicht. Denn es lässt sich nicht trennen, was nicht trennbar ist. Einzig ein Seher mag den Unterschied erkennen. Doch diese Propheten lassen nur selten an ihrem Wissen teilhaben. Auch ist es so, dass manch ein Gelehrter, obschon er sein Wissen für gesichert hält, aus freien Stücken erzählender Form und reimenden Wort dem nüchternen Bericht den Vorzug gab. Denn will Wissen fruchtbar sein, so reicht es nicht, es mit kratzender Feder auf Pergament zu bannen. Volkes Geist muss es fassen können und eben dieser Geist ist dem Wissen zugänglicher, wenn es darin die verknüpften Fäden einer Sage oder die mitreißende Ordnung von Rhythmus und Reim erkennen kann.